Buchstabieralphabet im Seefunk: so funktioniert es
Wenn im Funkverkehr Rufzeichen, Abkürzungen und schwierige Wörter buchstabiert werden müssen, gibt es dafür ein festgelegtes System: Zu jedem Buchstaben und jeder Ziffer gehört genau ein Codewort. Festgelegt ist es in Anhang 14 der VO Funk. Diese Seite erklärt, wie das System gedacht ist und wann es zum Einsatz kommt; die vollständige Liste der Codewörter steht bei der ITU (siehe unten). Andere Buchstabiertafeln, etwa für den Alltag am Telefon, sind hier nicht Thema.
Buchstabieralphabet im Seefunk kurz beantwortet
Was ist das Buchstabieralphabet im Seefunk?
Es ist eine Tabelle in Anhang 14 der VO Funk, die jedem Buchstaben ein festgelegtes Codewort zuordnet und für die Ziffern einen eigenen Ziffernschlüssel enthält.
Wo steht das Buchstabieralphabet des Seefunks?
Es steht in Anhang 14 der VO Funk, Ausgabe 2024, Band 2, den die ITU auf ihrer Publikationsseite zum Herunterladen bereitstellt.
Wann wird im Seefunk buchstabiert?
Wenn Rufzeichen, Dienstabkürzungen und Wörter buchstabiert werden müssen, ist die Tabelle aus Anhang 14 zu verwenden (Anh. 14 Nr. 1).
Wie wird beim Buchstabieren gesprochen?
Langsam und deutlich, jedes Wort klar ausgesprochen, damit der Empfänger mitschreiben kann (32.6).
Gibt es auch für Ziffern ein eigenes Alphabet?
Ja, Anhang 14 enthält für die Ziffern 0 bis 9 einen Ziffernschlüssel mit je einem Codewort (Anh. 14 Nr. 2).
Dürfen Stationen eine andere Buchstabiertafel benutzen?
Stationen desselben Landes dürfen untereinander jede andere Tabelle benutzen, die ihre Verwaltung anerkannt hat (Anh. 14 Nr. 3).
Wie das System funktioniert
Der Zweck: Rufzeichen, Namen und schwierige Wörter sollen beim Empfänger sicher ankommen und sich mitschreiben lassen (32.6 verlangt dafür, dass jedes Wort deutlich ausgesprochen wird). Dazu steht für jeden Buchstaben ein festgelegtes Codewort und für jede Ziffer ein festgelegtes Ziffernwort. Gesprochen wird dann nicht der Buchstabe selbst, sondern sein Codewort. Der Anhang legt außerdem für jedes Codewort fest, wie es auszusprechen ist, mit betonten Silben.
Ein Beispiel für einen Schiffsnamen, der mit LUNA beginnt: Er wird buchstabiert als Lima Uniform November Alfa. Bei Ziffern ist es genauso: Die Ziffer 1 hat im Ziffernschlüssel des Anhangs das Codewort Unaone.
Wann wird buchstabiert?
- Wenn Rufzeichen, Dienstabkürzungen und Wörter buchstabiert werden müssen, ist die Buchstabiertabelle aus Anhang 14 zu verwenden (Anh. 14 Nr. 1). Typische Fälle sind Rufzeichen, Schiffsnamen, schwierige Wörter und Kennungen.
- Art. 32.7 sagt, dass das Buchstabier- und Ziffernalphabet nach Anhang 14 verwendet werden soll, wo es anwendbar ist. Im Routinebetrieb nennt Art. 57.7 die Tabellen aus Anhang 14 für schwierige Wörter, Abkürzungen und Ziffern.
- Gesprochen wird langsam und deutlich, jedes Wort klar (32.6), damit der andere mitschreiben kann.
- Stationen desselben Landes dürfen untereinander eine andere, von ihrer Verwaltung anerkannte Tabelle benutzen (Anh. 14 Nr. 3).
Ziffern und Zeichen
Für die Ziffern 0 bis 9 hat Anhang 14 einen eigenen Ziffernschlüssel mit je einem Codewort. Der Anhang enthält außerdem ein Codewort für das Dezimalzeichen und eines für den Punkt am Satzende.
Die VO Funk merkt an, dass die Aussprache der Ziffern in Anhang 14 und in den IMO-Standardphrasen (SMCP) verschieden ist (Fußnote zu 32.7). Welche Sprechweise in einer Prüfung erwartet wird, lässt sich aus den hier ausgewerteten Quellen nicht entscheiden; frage im Zweifel deine Ausbildungsstelle. Belegt ist hier der Ziffernschlüssel aus Anhang 14. Andere Sprechweisen, etwa englische Ziffernwörter („two one one …“), sind nur ein Hinweis auf das, was die Übungen der App ebenfalls zulassen: Ihre Auswertung der MMSI akzeptiert beide Schreibweisen. Das ist eine Übungsregel, keine Aussage über die zulässige Sprechweise im Funk oder in einer Prüfung.
Wo du das Buchstabieren brauchst
Wenn das Buchstabieren nötig ist, etwa beim Rufzeichen eines Schiffs im Notruf (Art. 32) oder in Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen, gilt das System aus Anhang 14. Die VO Funk schreibt das Buchstabieren nicht in jedem Fall vor. In den Übungen der App ist es eine Übungsvorgabe: Das Rufzeichen wird buchstabiert erwartet, alternativ kann die MMSI Ziffer für Ziffer als Kennung gesprochen werden.
Häufige Fehler
- Den Buchstaben selbst zu sprechen statt seines Codeworts: Anhang 14 legt für jeden Buchstaben ein Codewort fest, das übertragen wird (Nr. 1).
- Zu schnell oder undeutlich zu sprechen: Jedes Wort soll klar ausgesprochen werden, damit der andere mitschreiben kann (32.6).
- Die Betonung der Codewörter zu ignorieren: Der Anhang gibt für jedes Codewort die Aussprache mit betonten Silben an (Anh. 14 Nr. 1, Spalte „Spoken as“).
- Eine andere Tabelle zu verwenden: Für Rufzeichen, Dienstabkürzungen und Wörter ist die Tabelle aus Anhang 14 zu verwenden; eine andere Tabelle dürfen nur Stationen desselben Landes untereinander benutzen, wenn ihre Verwaltung sie anerkannt hat (Nr. 1, Nr. 3).
- Anzunehmen, die Prüfung verlange eine bestimmte Ziffernaussprache: Das lässt sich aus den hier ausgewerteten Quellen nicht entscheiden, weil die Aussprache der Ziffern in Anhang 14 und in den IMO-Standardphrasen verschieden ist (Fußnote zu 32.7).
Die vollständige Liste
Bis auf die oben genannten Beispiele gibt diese Seite weder die Codeworttabellen noch die Ausspracheangaben wieder. Du findest sie bei der ITU selbst: ITU, Radio Regulations (VO Funk), Ausgabe 2024, Vol. 2, Anhang 14 „Phonetic alphabet and figure code“. Die ITU-Publikationsseite https://www.itu.int/pub/R-REG-RR-2024 stellt die PDF-Fassung laut eigener Angabe kostenfrei für den persönlichen Gebrauch bereit; Anhang 14 steht dort in Band 2.
Weiterlesen
Quellen
Zusammenfassung der folgenden öffentlichen Quellen in eigenen Worten; wörtlich Übernommenes steht in Anführungszeichen. Nummern wie „32.7“ sind die Absatznummern der VO Funk.
- ITU, Radio Regulations (VO Funk), Ausgabe 2024: Vol. 2, Anhang 14 (Rev. WRC-23) „Phonetic alphabet and figure code“, Nr. 1 (Buchstaben), Nr. 2 (Ziffern), Nr. 3 (Verwaltungen); Vol. 1, Art. 32, Nr. 32.6, 32.7 samt Fußnote; Art. 57, Nr. 57.7 (ITU-Publikationsseite, dort Vol. 2 laden; die PDF-Fassung stellt die ITU laut eigener Angabe kostenfrei für den persönlichen Gebrauch bereit). Abruf 28.10.2026.
- ITU, Radio Regulations (VO Funk), Ausgabe 2024: Vol. 1, Art. 33, Nr. 33.12 und 33.35 (Dringlichkeits- und Sicherheitsanruf „taking into account Nos. 32.6 and 32.7“). Abruf 28.10.2026.
- ELWIS, Übersichtsseite „Sprechfunkzeugnisse“, Abschnitt SRC (nur für den Hinweis in der Fußzeile, dass rechtsverbindlich allein die im Verkehrsblatt veröffentlichten Texte sind): www.elwis.de, Bereich Schifffahrtsrecht, Sprechfunkzeugnisse. Abruf 28.10.2026.